Wie wird in Internetforen diskutiert?

Jeder, der sich häufiger mal Computer- oder Videospiele kauft, weiß, dass ein nicht unbedeutender Teil von ihnen historische Szenarien benutzt. Der Großteil davon entfällt dabei auf den Zweiten Weltkrieg.
Daher war es sehr interessant zu sehen, was passiert, wenn jemand in einem der größten Videospielforen weltweit die provokante Frage stellt, warum diese ganzen Spiele nicht den Holocaust thematisieren.
Es ist in der Tat so, dass die meisten dieser Spiele recht tumbe Actionspiele sind, in denen es meistens darum geht, möglichst viel in die Luft zu jagen. Einige Spiele nähern sich dem Thema auf etwas subtilere Weise, aber auch sie sind meistens auf Action ausgelegt. Ansonsten gibt es noch Strategiespiele, in denen man diverse Schlachten nachspielen kann, aber eine Thematisierung des Holocausts, von Kriegsverbrechen oder dem Leid der Zivilbevölkerung findet meistens nicht statt. Weltkriegsspiele sind eben eher Abenteuerspielplatz und keine wirklich tiefgreifende Beschäftigung mit dem Thema.

Und wie reagieren die User von NeoGAF auf die Frage? Zum einen zeigen sie sich sehr interessiert an der Frage und schrieben innerhalb von drei Tagen 200 Beiträge zum Thema. Dabei lässt sich auch eine klare Trennung erkennen – ein Teil der User beschäftigt sich wirklich mit dem Thema, andere nicht. Der wohl dümmste Beitrag ist dieser hier:

they should just make a Nazi internment camp actually a spaceship that lifts off and uses people as fuel.

Sowas ist aber zum Glück nur ein negativer Ausrutscher in einer ansonsten recht gesitteten Diskussion.

Die Kernfrage, um die sich die Diskussion dreht, ist, wie man den Holocaust in einem Spiel vernünftig umsetzen könnte. Hier treffen zwei Standpunkte aufeinander, die man in der Videospielcommunity häufiger antrifft: Für die einen sind Spiele einfach nur ein Zeitvertreib und sollen Spaß machen. Daher ist für sie eine Thematisierung des Holocausts nicht sinnvoll, da er schlicht und einfach keinen Spaß macht. Die andere Gruppe sieht Videospiele als ernstzunehmendes Medium, das auch schwierigere Themen aufgreifen darf. Für sie wäre es ein interessanter Ansatz, dem Medium Videospiel eine neue Tiefe zu geben. Allerdings fragen sie sich, wie man soetwas umsetzen könnte und welcher Entwickler dazu in der Lage wäre.
Dabei biß sich die Diskussion vor allem an den Zweite Weltkriegs-Egoshootern fest. Das Thema als Actionspiel darzustellen ist sicherlich sehr schwierig, aber andere Genres wie Adventurespiele oder Rollenspiele könnten es sicherlich besser machen.

Erstaunlich ist auch die Diskussion um die Frage, was denn der Holocaust mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun hat. Ist er ein seperates Ereignis oder Teil des Krieges? Viele professionelle Historiker wird es erschrecken, dass die Fakten für die Argumentation fleißig aus Wikipedia bezogen werden und die Wikipedia als unumstößliche Instanz gilt, die auch nicht in Frage gestellt wird. In Internetdiskussionen ist das allerdings gängiger Standard. Zum einen ist der Großteil der Internetnutzer es gewöhnt, ihre Informationen in der Wikipedia nachzuschlagen und zum anderen hat das etwas mit Zugänglichkeit zu tun: Die Wikipedia ist nur einen Klick entfernt. Wer in einer solchen Diskussion z.B. auf ein Buch verweist, verlangt vom Gegenüber, dass er sich in eine Bibliothek aufmacht, dort das Buch sucht und die entsprechende Stelle durchliest. Im schlimmsten Fall hat die örtliche Bibliothek das Buch nicht (nicht jeder wohnt in einer Stadt mit gut ausgestatteter Universitätsbibliothek) und er muss das Buch kaufen. Die Wikipedia ist im Vergleich die bessere Variante. auch wenn man natürlich andere Seiten verlinken könnte.
Zum Schluss muss man festhalten, dass diese Diskussion natürlich nicht verallgemeinert werden darf. Jedes Forum hat verschiedene Nutzer. Es ist z.B. davon auszugehen, dass die Diskussion in einem deutschen Forum anders ablaufen würde.

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