taz: Wie DDR-Funktionäre sich im Internet darstellen

Die taz bringt einen interessanten Artikel über Internetseiten, auf denen ehemalige DDR-Funktionäre, Stasioffiziere oder Mitglieder der Grenztruppen ihre Sicht der Dinge darstellen und damit natürlich kräftig von der herkömmlichen Darstellung abweichen. Und natürlich sind nicht alle glücklich, dass es solche Seiten gibt. Der Artikel zeigt sehr deutlich, dass Geschichte im Internet nicht nur von „offiziellen“ Medien oder Historikern gemacht wird, sondern dass es auch eine durchaus Breite Bewegung von Leuten geben kann, die eigene Thesen vertreten und das recht lautstark.
Wirklich erstaunlich an der dort genannten MfS-Insiderseite ist allerdings das extrem gruselige Webdesign. Es ist sehr häufig so, dass Seiten, die wirre Gedanken verbreiten auch wirres Webdesign haben. Das ist nicht nur hier so, sondern lässt sich auch bei diversen 9/11-Verschwörungstheoretikern, Reichsflugscheibenwirrköpfen oder Mikrowellenterroropfern erkennen. Je wirrer die Seite, desto wirrer die Thesen.

Update: Nachdem das weblog.histnet.ch diesen Artikel verlinkt hat, schaden sicherlich einige weitere Ausführungen nicht. Natürlich reicht das Layout nicht aus, um Geschichtsklitterung zu identifizieren und wird es in Zukunft immer weniger. Das Layout dieses Blogs ist z.B. einfach ein Standardtemplate, das WordPress.com anbietet. Ich hoffe zumindestens, dass es nicht wirr wirkt. Aber genau wie ich kann jeder andere dieses Design nutzen. Diese vorgefertigten Templates gibt es in jedem CMS.
Trotzdem kann man einiges am Layout und natürlich der Sprache festmachen. Wenn der GBMEV auf seiner Webseite in einem Artikel „Gegen die Entstellung von DDR-Geschichte“ folgendes schreibt, dann spricht das Bände:

Warum verstärken die in der BRD herrschenden Kreise, ihre Geschichtsschreiber, ihre Medienmacher ihre Anstrengungen, die DDR im nachhinein zu verleumden? Wir meinen: Die zunehmenden Angriffe auf alles, was links ist, drücken eine tiefe Systemkrise der bürgerlichen Gesellschaft aus, sind Zeichen für die Hilf- und Ausweglosigkeit der politischen Klasse.

Da sollten eigentlich bei jedem die Alarmglocken klingeln – und zwar nicht nur bei Historikern, die zumindestens theoretisch eh jede Quelle einer entsprechenden Quellenkritik unterziehen sollten.
Und wie soll man nun mit solchen Seiten umgehen? Die Idee, sie bei Google sperren zu lassen, ist eindeutig fehl am Platze. Google sperrt zum einen eh keine Webseiten einfach so und falls sich auf ihnen etwas strafrechtlich relevantes findet, dann müssen die rechtstaatlichen Mittel genutzt werden. Die hinter den Seiten und Vereinen stehenden Leute geben sich ja eh keine Mühe sich zu verstecken.

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One Response to taz: Wie DDR-Funktionäre sich im Internet darstellen

  1. […] wohl kaum jemand zweifelt), zum Beispiel, wenn man die taz liest (oder, alternativ, das Weblog Klio surft). Dann stösst man auf eigenartige Websites, die sich “Gesellschaft zum Schutz von […]

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